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Merkur am Morgenhimmel: Mit der Venus findest du ihn vor Sonnenaufgang

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Zeichnung des Südosthimmels über Berlin am 20. November zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung: Merkur 10° über dem Horizont bei Azimut 125°, Venus 19° hoch bei Azimut 137°, Spica knapp 2° unterhalb der Venus und etwas nach rechts versetzt, Arktur hoch oben und die Ekliptik als gestrichelte Linie, die steil vom Horizont aufsteigt.
Der Himmel über Berlin (52,5° N) am 20. November zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung, wenn die Sonne 6° unter dem Horizont steht. Die helle Venus dient als Wegweiser; Merkur steht etwa 15° links unterhalb von ihr. Positionen berechnet mit JPL Horizons.SkyFlux · JPL Horizons

Am späten Abend des 20. November (UTC; in Mitteleuropa kurz nach Mitternacht) erreicht Merkur seinen größten Winkelabstand westlich der Sonne, 19,6° (größte westliche Elongation). Auf der Nordhalbkugel sind die Morgenstunden um dieses Datum eine gute Gelegenheit, Merkur zu sehen. Von allen Planeten, die man mit bloßem Auge sehen kann, ist er am schwersten zu entdecken. Die strahlend helle Venus, die höher und rechts von ihm steht, zeigt dir, wohin du schauen musst.

Warum Ende November auf der Nordhalbkugel eine gute Zeit ist

Merkur umrundet die Sonne innerhalb der Erdbahn. Von der Erde aus gesehen pendelt er deshalb am Himmel von einer Seite der Sonne zur anderen. Steht er westlich der Sonne, geht er vor ihr auf und erscheint in der Morgendämmerung; am späten Abend des 20. November (UTC) erreicht er auf dieser Seite seinen größten Winkelabstand.

Dieser Abstand ist nicht groß. Hilfreich ist aber die Ekliptik, die scheinbare jährliche Bahn der Sonne über den Himmel, in deren Nähe sich die Planeten bewegen. An Herbstmorgen auf der Nordhalbkugel steigt sie vor Sonnenaufgang steil aus dem Osthorizont auf: Zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung am 20. November schneidet sie den Horizont in Berlin unter etwa 50°, in der Morgendämmerung um die Tagundnachtgleiche im März dagegen nur unter 15°. Verläuft die Ekliptik steil, steht Merkur eher über der Sonne als neben ihr, und ein größerer Teil seines Abstands von der Sonne wird zu Höhe über dem Horizont.

Merkur steht am Himmel deutlich nördlicher als die Sonne: zum einen, weil die Ekliptik westlich der Sonne zu dieser Jahreszeit nach Norden verläuft, zum anderen, weil Merkur selbst etwa 2° nördlich der Ekliptik steht. Die Deklination ist das Himmelsgegenstück zur geografischen Breite: Bei Merkur beträgt sie −12,2°, bei der Sonne −19,8°. In nördlichen Breiten geht Merkur deshalb lange vor der Sonne auf, in Berlin fast zwei Stunden vor Sonnenaufgang.

Wohin du schauen solltest

Schau ab etwa einer Stunde vor Sonnenaufgang tief nach Südosten (wer weiter südlich beobachtet, eher nach Ostsüdosten). Dann steht Merkur überall zwischen 40° und 59° N schon 7–8° hoch; früher steht er tiefer und noch in dichterem Dunst nahe am Horizont. Such zuerst die Venus. Sie ist Ende Oktober zwischen Erde und Sonne hindurchgezogen (untere Konjunktion) und ist jetzt mit der Größenklasse −4,9 das hellste Objekt in diesem Teil des Himmels (je kleiner der Wert auf dieser Skala, desto heller das Objekt). Merkur steht tiefer und weiter links, am 20. November etwa 15° von der Venus entfernt, das sind anderthalb Faustbreiten bei ausgestrecktem Arm. Der Abstand wächst von 13° am 14. auf 20° am 26. November, weil sich die Venus schneller von der Sonne entfernt als Merkur, der sich nach dem 20. November der Sonne wieder nähert.

Die Höhen am 20. November zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung, wenn die Sonne 6° unter dem Horizont steht:

  • 52,5° N (Berlin): Merkur 10°, Venus 19°; die bürgerliche Morgendämmerung beginnt 43 Minuten vor Sonnenaufgang.
  • 59° N (Stockholm, Oslo): Merkur 8°, Venus 16°; die bürgerliche Morgendämmerung beginnt 54 Minuten vor Sonnenaufgang.
  • 40° N (Madrid, New York): Merkur 12°, Venus 24°; die bürgerliche Morgendämmerung beginnt 33 Minuten vor Sonnenaufgang.

Vom 17. bis zum 23. November bleibt Merkur ungefähr so hoch. Knapp 2° unterhalb der Venus, ein wenig nach rechts versetzt, steht Spica, der hellste Stern im Sternbild Jungfrau. Verwechsle Spica nicht mit Merkur: Merkur ist heller und steht viel tiefer und weiter links.

Wo Merkur von deinem Standort aus am Himmel steht, zeigt dir die Himmelskarte in SkyFlux.

Was du siehst

Mit bloßem Auge ist Merkur nur ein Lichtpunkt am heller werdenden Himmel. Von Tag zu Tag wird er heller, weil wir mehr von seiner sonnenbeschienenen Hälfte sehen: Größenklasse +0,3 am 14. November, −0,2 am 17., −0,4 am 20. und −0,6 am 23. November. Nahe am Horizont schwächt ihn der Dunst allerdings ab, sodass er lichtschwächer wirken kann, als diese Zahlen erwarten lassen.

Ein Fernglas hilft: Schwenk es von der Venus aus langsam nach links unten, und wenn du Merkur gefunden hast, setz das Fernglas ab und such ihn mit bloßem Auge. Leg das Fernglas vor Sonnenaufgang weg. Die Sonne geht nahe der Stelle auf, an der du gerade gesucht hast, und schon ein kurzer Blick durch das Fernglas in die Sonne kann deine Augen dauerhaft schädigen.

Der Mond stört nicht: Bis zum 23. November ist er zu Beginn der Morgendämmerung bereits untergegangen, und ab dem Vollmond am 24. November steht er in der Morgendämmerung tief im Westen, Merkur gegenüber.

Warum Merkur schwer zu sehen ist

Merkurs Bahn ist so klein, dass sich der Planet von der Erde aus gesehen nie mehr als etwa 28° von der Sonne entfernt. In mittleren nördlichen Breiten sieht man ihn deshalb tief über dem Horizont und in der Dämmerung, kaum je an einem völlig dunklen Himmel. Diesmal beträgt der größte Abstand nur 19,6°, weil Merkur etwa 50 Millionen km von der Sonne entfernt ist: nahe seinem kleinsten Abstand von 46 Millionen km und weit unter dem größten von 70 Millionen km. Je näher Merkur der Sonne ist, desto kleiner ist sein größter scheinbarer Abstand von ihr.

Quellen und Lizenzen

  • JPL Horizons (NASA/JPL) — Positionen, Elongation, Helligkeiten in Größenklassen, Phase, Deklinationen sowie topozentrische Höhe und Azimut von Merkur, Venus, Sonne und Mond, berechnet am 17. Oktober 2026 (Berliner Werte am 20. Oktober 2026). https://ssd.jpl.nasa.gov/horizons/
  • SIMBAD (CDS, Straßburg) — Koordinaten und V-Helligkeit von Spica (alf Vir) und Arktur (alf Boo). https://simbad.cds.unistra.fr/simbad/
  • NASA NSSDC Mercury Fact Sheet — Merkurs Abstand von der Sonne im Perihel (46,0 Millionen km) und im Aphel (69,8 Millionen km). https://nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/factsheet/mercuryfact.html

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