PLANETEN
Uranus in Opposition: So findest du den blaugrünen Planeten im Stier
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Am späten Abend des 25. November (UTC) steht Uranus der Sonne genau gegenüber. Er steht dann die ganze Nacht über dem Horizont, ist der Erde so nah wie zu keinem anderen Zeitpunkt dieses Jahres und befindet sich im Stier zwischen den Plejaden und Aldebaran. Einen Haken gibt es: Am Tag davor ist Vollmond, und der Mond zieht in nur etwa 5° Abstand am Planeten vorbei.
Was die Opposition bringt
In der Opposition zieht die Erde zwischen Sonne und Uranus hindurch; der Planet steht dann von uns aus gesehen der Sonne gegenüber am Himmel. Deshalb geht er ungefähr bei Sonnenuntergang auf und ungefähr bei Sonnenaufgang unter und steht mitten in der Nacht am höchsten, wenn der Himmel am dunkelsten ist (von Orten nördlich von etwa 21° nördlicher Breite aus genau im Süden).
Zugleich ist Uranus uns dann am nächsten: rund 2,76 Milliarden Kilometer, das 18,44-Fache des Abstands zwischen Erde und Sonne. Weil Uranus rund 19-mal so weit von der Sonne entfernt ist wie die Erde, ändert der Umlauf der Erde unseren Abstand zu Uranus im Lauf des Jahres nur um etwa 10 %. Entsprechend wenig ändert sich seine Helligkeit: Größenklasse 5,6 in der Opposition, 5,8 im kommenden Mai, wenn Uranus hinter der Sonne steht (je kleiner die Größenklasse, desto heller das Objekt). Was die Opposition tatsächlich bringt, ist eine lange Nacht mit dem Planeten hoch am Himmel. Dunkle Stunden ohne Mond gibt es in diesem Jahr in Berlin allerdings erst wieder ab etwa dem 28. November.
Wo du hinschauen musst
Uranus steht im Sternbild Stier, etwa 5° südöstlich des Sternhaufens der Plejaden und etwa 8° nordwestlich von Aldebaran, dem hellen orangefarbenen Stern im Stier. Plejaden und Aldebaran sind mit bloßem Auge leicht zu finden und führen dich in die richtige Himmelsgegend.
Näher bei Uranus bilden drei Sterne einen kleinen Wegweiser. Der Stern 37 Tauri (Größenklasse 4,4) steht etwa 1,4° nördlich und ein wenig westlich von Uranus, direkt daneben der schwächere 39 Tauri. Etwa 1,4° südöstlich von Uranus steht ω¹ Tauri (Größenklasse 5,5). Vor diesen Sternen wandert Uranus langsam nach Westen, alle zehn Tage etwa 0,4°, und Ende November steht er fast genau südlich von 37 Tauri.
So hoch steht Uranus, wenn er im Süden seinen höchsten Punkt erreicht:
- Breite 52,5° N (Berlin): 58° über dem Horizont, am 25. November um 22:56 UTC
- Breite 59,4° N (Tallinn, Stockholm): 51° über dem Horizont
Von der Südhalbkugel aus steht Uranus tiefer, weil er nördlich des Himmelsäquators liegt: Auf 35° südlicher Breite steigt er nur bis etwa 34° über den Nordhorizont.
Wo Uranus von deinem eigenen Standort aus steht, zeigt dir die Himmelskarte in SkyFlux.
Der Vollmond stört
Vollmond ist am 24. November; an diesem Tag zieht der Mond etwa 5° nördlich an Uranus vorbei. Bis in die frühen Morgenstunden des 26. November ist der Mond zu mehr als 95 % beleuchtet und höchstens etwa 24° vom Planeten entfernt — Mond und Uranus stehen also die ganze Nacht in derselben Himmelsgegend. Das Mondlicht überstrahlt die schwächsten Sterne, und mit ihnen verschwindet Uranus für das bloße Auge. Im Fernglas lässt sich Uranus trotzdem finden, nur mit viel weniger Kontrast.
Du musst nicht ausgerechnet in der Nacht der Opposition beobachten: Uranus bleibt noch wochenlang fast so hell wie in der Opposition. Ab dem 28. November geht der Mond so spät auf, dass der Himmel um Uranus am Abend dunkel ist. In der ersten Dezemberwoche gibt es in Berlin dann jede Nacht mehrere Stunden ohne Mond, in denen der Planet hoch steht: am 1. Dezember knapp sechs, am 4. Dezember schon fast neun.
Was du siehst
Mit bloßem Auge liegt Uranus an der Grenze des Sichtbaren. Er ist schwächer als 37 Tauri und etwa so hell wie ω¹ Tauri. Du brauchst einen dunklen Standort, einen Himmel ohne Mond und eine genaue Vorstellung davon, wohin du schauen musst. Weil Uranus so lichtschwach ist, wurde er erst nach 1781 als Planet erkannt. In jenem Jahr entdeckte Wilhelm Herschel ihn mit einem Teleskop und hielt ihn zunächst für einen Kometen. Uranus war damit der erste Planet, der mit einem Teleskop entdeckt wurde.
Mit dem Fernglas ist Uranus leicht zu finden: Die drei Sterne des Wegweisers und der Planet passen zusammen in ein Gesichtsfeld. Uranus sieht aus wie ein weiterer Stern. Vergleiche den Anblick deshalb mit einer Sternkarte oder schau eine Woche später noch einmal hin. Bis dahin ist Uranus fast doppelt so weit nach Westen gewandert, wie 37 und 39 Tauri voneinander entfernt sind.
Im Teleskop ist Uranus kein Punkt mehr. Sein scheinbarer Durchmesser beträgt 3,8 Bogensekunden, bei 100-facher Vergrößerung wirkt er also etwa so breit wie ein Fünftel des Vollmonds, den du mit bloßem Auge siehst — klein, aber deutlich als Scheibchen zu erkennen. Die winzige Scheibe und ihre blasse blaugrüne Farbe unterscheiden Uranus von einem Stern. Die Farbe stammt vom Methan in der Atmosphäre des Planeten, das rotes Licht absorbiert.
Quellen und Lizenzen
- JPL Horizons (NASA/JPL) — Zeitpunkt der Opposition, Positionen, Helligkeit, Entfernung, scheinbarer Durchmesser und Sternbild von Uranus; Mondphase und Mondpositionen; Höhe und mondlose Stunden für Berlin (52,5° N), berechnet am 20. Oktober 2026; Höhe für 59,4° N, berechnet am 17. Oktober 2026; die Höhe für 35° S ist aus der Deklination von Uranus abgeleitet. https://ssd.jpl.nasa.gov/horizons/
- Yale Bright Star Catalogue (VizieR V/50) und SIMBAD (CDS, Straßburg) — Positionen und V-Helligkeiten von 37, 39 und ω¹ Tauri, Alcyone (Plejaden) und Aldebaran. https://vizier.cds.unistra.fr/viz-bin/VizieR?-source=V/50 und https://simbad.cds.unistra.fr/simbad/
- NASA Science: Uranus facts — Methan als Ursache der blaugrünen Farbe; Entdeckung durch Wilhelm (William) Herschel 1781. https://science.nasa.gov/uranus/facts/



