METEORE
Die Leoniden erreichen in der Nacht vom 17. auf den 18. November ihr Maximum — ein ruhiges Jahr für den Strom, dessen Meteore einst wie Schnee fielen
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In der Nacht vom 17. auf den 18. November 2026, kurz vor Mitternacht UTC, durchquert die Erde den Staub des Kometen 55P/Tempel-Tuttle, und die Leoniden erreichen ihr Maximum. In diesem Jahr fallen sie bescheiden aus — eine ZHR von etwa 15 (die zenitale stündliche Rate, also die Zahl der Meteore unter einem idealen Himmel, mehr dazu weiter unten), und das für 2026 veröffentlichte Modell sagt keine Begegnung mit einer Staubspur voraus, die die Rate merklich anheben würde. Die Bedingungen sind dafür gut: Der Halbmond geht auf der Nordhalbkugel vor Mitternacht unter, auf der Südhalbkugel ein bis zwei Stunden danach, und der Radiant — der Punkt, aus dem die Meteore zu kommen scheinen — steht in den letzten dunklen Stunden vor der Morgendämmerung hoch. Außerdem sind die Leoniden kein gewöhnlicher Strom. Sie sind die schnellsten unter den großen Meteorströmen, sie treffen fast frontal auf die Erde, und in einer einzigen Nacht des Jahres 1833 machten sie aus den Meteoren, die bis dahin als Wettererscheinung galten, einen Gegenstand der Astronomie. Dieser Text erklärt, wann und wo du hinschauen solltest, warum die Meteore so schnell sind, was bei den Stürmen von 1833, 1966 und 1999 geschah — und was die Modelle über den nächsten Sturm sagen.
Wann: in der Nacht vom 17. auf den 18. November, am besten in den Stunden vor der Morgendämmerung
Das Maximum fällt auf den 17. November 2026 gegen 23:45 UTC. In diesem Moment kreuzt die Erde die Bahnebene des Kometen, und zwei unabhängige Quellen stimmen darin überein: Der Wert der International Meteor Organization (IMO) für das Maximum und die Bahn des Kometen aus dem Horizons-System der NASA setzen die Erde an dieselbe Stelle — auf ein Hundertstel Grad genau, also so genau, wie die IMO ihren Wert überhaupt angibt. Ein Modell des Hintergrundstaubs legt dessen flaches Maximum etwa acht Stunden früher, auf etwa 16:00 UTC. Das Maximum ist so breit, dass der Unterschied kaum ins Gewicht fällt: Entscheidend ist die Nacht vom 17. auf den 18. November, wo immer du bist.
Der Mond stört diesmal nicht. An diesem Tag steht er im ersten Viertel und ist zur Hälfte beleuchtet. In mittleren nördlichen Breiten geht er am späten Abend unter, noch bevor der Radiant eine nennenswerte Höhe erreicht; auf der Südhalbkugel erst ein bis zwei Stunden nach Mitternacht. Danach bleibt der Himmel bis zur Morgendämmerung mondlos. Die SkyFlux-App zeigt dir den Monduntergang für deinen Ort.
Auf 59° nördlicher Breite zum Beispiel geht der Radiant am späten Abend auf. Etwa zwei Stunden nach Mitternacht steht er rund 28 Grad hoch im Osten, und er steigt die ganze restliche Nacht weiter — bis auf etwa 51 Grad, wenn die astronomische Morgendämmerung beginnt und der Himmel heller wird. Die besten Stunden sind dort also die letzten drei vor der Morgendämmerung: Der Radiant steht hoch, der Mond ist längst untergegangen, und der Himmel ist noch ganz dunkel. Die SkyFlux-App berechnet die besten Stunden für deine Koordinaten.
| 59° N, Nacht vom 17. auf den 18. Nov. | Höhe des Radianten |
|---|---|
| Monduntergang | 10° |
| Etwa zwei Stunden nach Mitternacht | 28° |
| Zwei Stunden später | 43° |
| Beginn der astronomischen Morgendämmerung | 51° |
Ist es in der Nacht vom 17. auf den 18. November bewölkt, bietet die nächste Nacht eine zweite, wenn auch schwächere Chance. Nach dem Aktivitätsprofil, das SkyFlux verwendet, ist die Hintergrundaktivität des Stroms bis dahin auf etwa ein Viertel ihres Höchstwerts gesunken. Außerdem ist der Mond heller und geht etwa anderthalb Stunden später unter. Ein Modell sagt für den 19. November gegen 02:50 UTC einige zusätzliche Meteore voraus, aus Staub, den der Komet im Jahr 1699 freigesetzt hat.
Ein ruhiges Jahr — und wie ruhig genau
Die Leoniden sind für ihre Stürme berühmt, deshalb sei es für 2026 klar gesagt: Es wird weder ein Sturm noch ein Ausbruch erwartet. Mikhail Maslov, der berechnet, wo jede der alten Staubspuren des Kometen liegt, hat für dieses Jahr keine nennenswerte Begegnung mit einer Spur gefunden und erwartet, dass der Strom aus breit verteiltem Hintergrundstaub besteht. Sein Wert für das Maximum ist eine ZHR (zenitale stündliche Rate) von 15, und der Katalog der IMO nennt denselben Wert.
Die ZHR gibt an, wie viele Meteore ein einzelner Beobachter in einer Stunde sähe, wenn der Radiant genau im Zenit stünde und der Himmel vollkommen dunkel wäre. Solche Bedingungen hat in Wirklichkeit niemand. Umgerechnet auf die tatsächliche Höhe des Radianten vor der Morgendämmerung auf 59° nördlicher Breite ergibt das etwa 10 Meteore pro Stunde unter einem sehr dunklen Himmel, 3 bis 4 auf dem Land in der Nähe einer Stadt und 1 oder 2 am Stadtrand. Das ist eine Modellrechnung, und realistisch muss man mit einer Unsicherheit von etwa 50 Prozent nach oben oder unten rechnen. Ein Spektakel ist das nicht, wohl aber ein ruhiger, dunkler, mondloser Morgen mit einem Meteor alle paar Minuten, wenn du weit genug von den Lichtern entfernt bist.
Wo du hinschauen solltest: Such die Sichel — und schau dann an ihr vorbei
Der Radiant — der Punkt, aus dem die Meteore eines Stroms herauszufliegen scheinen — liegt im Kopf des Löwen, in einem Bogen aus Sternen, der wie ein spiegelverkehrtes Fragezeichen aussieht und als Sichel bekannt ist. Nach dem Löwen, lateinisch Leo, ist der Strom benannt. An der Sichel erkennst du außerdem, ob ein Meteor zu den Leoniden gehört oder ein sporadischer Meteor ist, also einer, der zu keinem Strom zählt: Verlängere seine Spur nach hinten — führt sie zur Sichel, gehört er zu den Leoniden.
Um den Strom zu sehen, musst du nicht auf den Radianten starren. Ein Meteor in seiner Nähe kommt fast direkt auf dich zu, deshalb ist seine Spur kurz; ein Meteor weiter davon entfernt wird perspektivisch weniger verkürzt und zieht eine längere Linie. Die NASA rät aus genau diesem Grund, am Radianten vorbeizuschauen. Wende dich auf der Nordhalbkugel nach Osten oder Südosten, sodass der Radiant vor dir am Himmel steht, aber starre ihn nicht an; leg dich bequem hin, schau nach oben und lass deine Augen so viel vom Himmel erfassen wie möglich. Gib ihnen vorher bis zu einer halben Stunde Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen.
Warum sie so schnell sind: ein Frontalzusammenstoß
Die Leoniden treten mit etwa 71 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre ein — das ist die höchste Geschwindigkeit in der gesamten Liste der Meteorströme der IMO. Das sind rund 255.000 km/h, schnell genug, um 100 Kilometer in weniger als anderthalb Sekunden zurückzulegen.
Der Grund ist die Bahn des Kometen. Der Komet 55P/Tempel-Tuttle und sein gesamter Staub umrunden die Sonne andersherum als die Erde: Die Bahn ist um 162,5 Grad geneigt, also so weit gekippt, dass der Komet im Vergleich zu den Planeten rückwärts läuft — Astronomen sprechen von einer rückläufigen oder retrograden Bahn. In der Nacht des Maximums bewegt sich die Erde mit 30 km/s auf ihrer Bahn, und ein Staubkorn des Kometen im selben Abstand von der Sonne mit etwa 41 km/s in nahezu entgegengesetzter Richtung. Weil sich beide fast frontal begegnen, ergeben die beiden Geschwindigkeiten zusammen rund 71 km/s. Jeder Leoniden-Meteor ist ein Frontalzusammenstoß.
Deshalb sind die Leoniden auch ein Strom für die Morgenstunden. In den Stunden nach Mitternacht stehst du auf der führenden Seite der Erde, der Seite, die in Bewegungsrichtung vorn liegt, und der Radiant der Leoniden liegt höchstens zehn Grad von dem Punkt entfernt, auf den die Erde gerade zusteuert. Der Radiant geht spät am Abend auf und steht in den letzten dunklen Stunden der Nacht am höchsten, weil er fast genau in Fahrtrichtung der Erde liegt.
Die Teilchen selbst sind winzig — die meisten kleiner als ein Sandkorn. Doch bei dieser Geschwindigkeit steckt in jedem Kilogramm Staub etwa 2,5 Gigajoule Energie, rund 600-mal so viel wie in einem Kilogramm TNT, und pro Kilogramm etwa viermal so viel wie bei einem Geminiden-Meteor, der mit 35 km/s ankommt. Die ganze Energie wird hoch oben in der Atmosphäre umgesetzt, und die Leuchtspur, die du siehst, ist genau diese frei werdende Energie. Die hellsten Meteore können eine schwache Nachleuchtspur hinterlassen, die noch eine Weile am Himmel steht, nachdem der Meteor selbst erloschen ist.
Der Komet hinter den Leoniden: 55P/Tempel-Tuttle
Der Ursprungskomet der Leoniden ist der Komet 55P/Tempel-Tuttle, dessen Kern etwa 3,6 Kilometer Durchmesser hat. Tempel entdeckte ihn 1865, Tuttle unabhängig davon 1866. Er umrundet die Sonne alle 33,2 Jahre. Zuletzt kam er ihr am 28. Februar 1998 am nächsten, und seine nächste Wiederkehr wird für den 20. Mai 2031 erwartet.
Jedes Mal, wenn sich der Komet der Sonne nähert, gibt er Staub ab, der als schmale, dichte Spur auf seiner Bahn bleibt. Junge Spuren sind noch eng gebündelt und liegen nahe beim Kometen; deshalb trifft die Erde meist in den wenigen Jahren vor und nach seiner Wiederkehr auf sie — und darum häufen sich die Leoniden-Stürme in Abständen von rund 33 Jahren. Doch nicht jede Wiederkehr bringt einen Sturm. Ob die Erde mitten durch den dichten Kern einer Spur zieht, hängt davon ab, wie stark Jupiter und die übrigen Planeten diese Spur seit ihrer Entstehung verschoben haben. 2026 ist der Komet weit von der Sonne entfernt, und die Erde durchquert keinen dichten Teil seiner jungen Spuren: Der Strom wird größtenteils aus altem, weit verteiltem Staub bestehen, und nur einige Spuren tragen geringfügig dazu bei.
1833: die Nacht, in der die Meteorforschung begann
Menschen sahen Leoniden-Stürme lange, bevor jemand sie verstand. Astronomen in China und Beobachter im heutigen Ägypten und Italien hielten 902 einen solchen Sturm fest. 1799 beobachteten Humboldt und Bonpland einen von Cumaná in Venezuela aus: Humboldt schrieb von Tausenden Feuerkugeln und Sternschnuppen, die vier Stunden lang unablässig aufeinander folgten, und Bonpland berichtete, es habe am Himmel keinen Fleck von drei Monddurchmessern Breite gegeben, der nicht voller Meteore gewesen sei.
In der Nacht vom 12. auf den 13. November 1833 brach der Sturm über das östliche Nordamerika herein. Sein Staub hatte den Kometen im Jahr 1800 verlassen. In Boston schätzte man, dass die Meteore etwa halb so dicht fielen wie die Flocken bei einem gewöhnlichen Schneefall. Aus der Rate beim Abklingen des Sturms rechnete ein Zeitgenosse auf insgesamt 240.000 sichtbare Meteore in neun Stunden hoch — geschätzt, nicht gezählt, aber das läuft auf Zehntausende pro Stunde hinaus. Ein Mann in Washington schrieb in sein Tagebuch, das Ereignis habe die Leute halb zu Tode erschreckt.
Denison Olmsted, Professor in Yale, bemerkte etwas, das diese Nacht für die Wissenschaft bedeutsam machte. Die Meteore fielen nicht wahllos: Sie strömten alle aus einem Punkt im Löwen, und im Lauf der Nacht wanderte dieser Punkt mit den Sternen über den Himmel. Etwas in der Atmosphäre wäre gegenüber dem Boden an seinem Ort geblieben und hätte sich mit der Erde gedreht. Was mit den Sternen Schritt hielt, musste jenseits der Atmosphäre liegen, draußen im Weltraum. Olmsted sammelte Berichte von Beobachtern in Amerika und Europa und legte seine Argumentation 1834 im American Journal of Science dar. Damit begann die Erforschung der Meteore als Teil der Astronomie.
Von 1866 bis 1966: ein Komet entdeckt, ein Sturm ausgeblieben, ein Sturm gezählt
1866, im selben Jahr, in dem Tuttle den Kometen entdeckte, ging über Europa erneut ein Sturm nieder. Die Umlaufzeit des Kometen war gerade erst zu etwa 33 Jahren berechnet worden, und innerhalb weniger Monate erkannten Astronomen, dass der Strom der Leoniden derselben Bahn folgt. Zusammen mit den Perseiden wurden die Leoniden damit zu einem der beiden ersten Meteorströme, die sich einem bestimmten Kometen zuordnen ließen.
Dreiunddreißig Jahre später rechnete jeder mit der Rückkehr des Sturms. 1899 ließen Wissenschaftler in Paris sogar einen Ballon aufsteigen, mit der Astronomin Dorothea Klumpke an Bord — nie zuvor hatte jemand aus der Luft nach Meteoren Ausschau gehalten. Der Sturm blieb aus.
Der Sturm kam 1966 zurück, allerdings nicht dort, wo man ihn erwartet hatte. Manche hatten einen Sturm über Europa vorhergesagt; stattdessen brach er über Amerika los. Auf dem Kitt Peak in Arizona zählte ein Team unter der Leitung von Dennis Milon in der ersten Stunde 33 Leoniden. Um 11:54 UTC, etwa dreieinhalb Stunden nach Beginn der Zählung, lag die Rate bei 40 Meteoren pro Sekunde, und sie blieb etwa zwanzig Minuten lang nahe diesem Wert. Eine spätere Auswertung von Radaraufzeichnungen dieser Nacht ergab, dass der Kern des Sturms weniger als eine halbe Stunde dauerte (23 Minuten lang lag die Rate über der Hälfte ihres Höchstwerts). Wie sich diese Nacht als ZHR ausdrücken lässt, ist bis heute umstritten, und die Schätzungen unterscheiden sich um den Faktor zehn; unstrittig ist dagegen, was auf dem Berg gezählt wurde.
Schon gewusst?Der Staub hinter dem großen Sturm von 1966 hatte den Kometen 1899 verlassen — genau in dem Jahr, in dem alle vergeblich auf einen Sturm warteten. Dreiunddreißig Jahre später lieferte dieselbe Spur auch den Sturm von 1999. Die Wiederkehr des Kometen, die 1899 alle enttäuschte, hatte den Staub für die beiden nächsten Stürme hinterlassen.
| Jahr | Was geschah |
|---|---|
| 902 | Erster überlieferter Leoniden-Sturm — China, Ägypten, Italien |
| 1799 | Humboldt in Venezuela: Tausende Meteore, vier Stunden lang |
| 1833 | Östliches Nordamerika; eine Schätzung: 240.000 in neun Stunden; Staub von 1800 |
| 1866 | Sturm über Europa; bald darauf wird der Strom dem Kometen zugeordnet |
| 1899 | Erwartet, aber ausgeblieben |
| 1966 | Kitt Peak: von 33 pro Stunde auf 40 pro Sekunde in etwa 3,5 h; Staub von 1899 |
| 1998 | Helle Feuerkugeln etwa 16 h vor dem Maximum; Staub von 1333 |
| 1999 | Erster Sturm, den Spurenmodelle richtig vorhergesagt hatten; Staub von 1899 |
| 2001 | Zwei Stürme an einem Tag, jeder mit einer ZHR über 1.000 |
| 2002 | Zwei Maxima, ZHR etwa 2.350 und 2.660 — bisher der letzte Sturm |

1998 und 1999: Hubble dreht sich weg, der Mond wird getroffen
Ende der 1990er-Jahre galt die Sorge den Raumfahrzeugen. Vor dem Strom von 1998 drehte das Kontrollteam das Hubble-Weltraumteleskop zehn Stunden lang so, dass seine Rückseite dem Strom zugewandt war und die Solarpaneele ihm nur ihre schmale Kante boten — obwohl das Team die Wahrscheinlichkeit eines Treffers auf weniger als eins zu zehntausend schätzte. In jenem Jahr brachte der Strom eine ganz andere Überraschung: eine Häufung heller Feuerkugeln etwa 16 Stunden vor dem vorhergesagten Maximum, aus Staub, den der Komet 1333 abgegeben hatte und den seither eine 5:14-Resonanz mit Jupiter zusammenhält. Der Staub umrundet die Sonne fünfmal, während Jupiter vierzehn Umläufe vollendet; so wirkt Jupiters Anziehung immer wieder an derselben Stelle und hält den Staub beisammen, statt ihn sich ausbreiten zu lassen.
1999 war der erste Leoniden-Sturm, der richtig vorhergesagt wurde, und zwar mit Modellen, die berechnen, wo jede einzelne alte Staubspur liegt. Die Modelle gaben an, wann die Erde auf die Spur von 1899 treffen würde, und am 18. November gegen 02:00 UTC geschah genau das: eine ZHR von mehreren Tausend, je nach Zählweise zwischen etwa 3.700 und 5.000. Dieser Wert ist, wie auch die späteren Werte für Stürme, eine ZHR, also die Rate unter dem oben beschriebenen idealen Himmel. Er ist keine unmittelbare Zählung wie die des Teams auf dem Kitt Peak im Jahr 1966.
Diese Nacht brachte auch etwas, das noch niemand gesehen hatte. Leoniden treffen nicht nur die Erde, sondern auch den Mond, und dort gibt es nichts, was sie abbremst. Ein Team unter der Leitung von Ortiz beobachtete den unbeleuchteten Teil der Mondscheibe und zeichnete fünf kurze Lichtblitze auf, jeder kürzer als eine Fünfzigstelsekunde — die ersten zweifelsfrei bestätigten Lichtblitze von Meteoroiden, die auf dem Mond einschlugen.
2001 und 2002 kam es erneut zu Stürmen: 2001 gleich zu zwei an einem Tag, einem über Amerika und einem über Ostasien und Australien, jeder mit einer ZHR über 1.000; und 2002 zu zwei Maxima mit einer ZHR von etwa 2.350 und 2.660. Seitdem gab es keinen Sturm mehr.
Auf beiden Halbkugeln zu sehen, aber nicht gleich gut
Der Radiant der Leoniden liegt 22 Grad nördlich des Himmelsäquators, deshalb ist der Strom fast auf der ganzen Welt zu sehen. Besser sichtbar ist er von der Nordhalbkugel aus. Auf 59° nördlicher Breite steigt der Radiant während der gesamten dunklen Stunden und steht zu Beginn der astronomischen Morgendämmerung etwa 51 Grad hoch; seinen höchsten Punkt, 53 Grad, erreicht er erst später, wenn der Himmel schon deutlich heller ist.
Auf der Breite von Sydney, Kapstadt, Buenos Aires oder Santiago, also auf etwa 34 Grad südlicher Breite, kommt er nicht höher als etwa 34 Grad — und auch das erst nach Sonnenaufgang, bei Tageslicht. Wenn dort die astronomische Morgendämmerung beginnt, steht er nur etwa 17 bis 19 Grad über dem Horizont. Wer auf der Südhalbkugel beobachtet, sieht zwar Leoniden, aber weniger, in einem kürzeren dunklen Zeitfenster und bei tief stehendem Radianten. Südlich von 68 Grad südlicher Breite geht der Radiant überhaupt nicht auf.
Wann kommt der nächste Sturm? Die Modelle sind sich nicht einig
Als Meteorsturm gilt meist ein Strom mit einer ZHR von mindestens 1.000. Der Komet kehrt 2031 zurück, und in den Jahren um diese Wiederkehr würde man den nächsten Sturm natürlich zuerst erwarten — doch die Fachleute, die die Staubspuren modellieren, sind sich nicht einig, was diese Jahre bringen.
Für 2027 führt der Kalender der IMO mehrere mögliche kleine Ausbrüche auf, jeder mit einer ZHR von höchstens etwa 40 bis 50. Für die frühen 2030er-Jahre ergeben die Berechnungen von Maslov starke Jahre, die aber nicht an einen Sturm heranreichen: eine ZHR von bis zu etwa 400 im Jahr 2033, 500 im Jahr 2034 und 350 im Jahr 2035. Einen echten Sturm erwartet er erst wieder 2094. Eine Studie von Abe, im August 2026 als Preprint erschienen und noch nicht von Fachleuten begutachtet, kommt auf weit mehr: eine ZHR von etwa 1.400 im Jahr 2033, aus derselben Spur von 1899, die den Sturm von 1999 lieferte, und zwei starke Maxima mit einer ZHR von etwa 1.400 und 1.200 im Jahr 2034.
Den nächsten Sturm kann also niemand versprechen. Ein Modell sieht ihn in sieben Jahren, ein anderes erst in fast siebzig. Einig sind sich die Modelle darin, dass die Jahre um 2033 deutlich stärker ausfallen werden als ein gewöhnliches Jahr — und dass 2026 nicht zu diesen Jahren gehört.
Warum es sich auch in einem ruhigen Jahr lohnt
Eine ZHR von etwa 15 und an einem wirklich dunklen Ort vielleicht zehn Meteore pro Stunde — mehr verspricht 2026 nicht, also mach niemandem, den du mitnimmst, größere Hoffnungen. Das größere Risiko sind Wolken: Mitte November ist der Himmel in nördlichen Breiten oft bedeckt, behalte also die Wettervorhersage im Blick und halte dir die zweite Nacht als Reserve frei.
Aber auch in einem ruhigen Jahr lohnt sich bei diesem Strom ein früh gestellter Wecker. Der Mond stört nicht, der Radiant steigt durch einen völlig dunklen Himmel, und jeder Meteor, den du siehst, gehört zum Schnellsten, was überhaupt in die Atmosphäre gelangt. Jedes dieser Staubkörner stammt von dem Kometen, der zuletzt 1998 vorbeikam, und trifft mit 71 Kilometern pro Sekunde frontal auf die Erde. Du siehst denselben Strom, dessen Meteore 1833 über Boston wie Schneeflocken fielen und der 1966 über Arizona vierzig Meteore pro Sekunde brachte.
Geh, wenn du kannst, in den letzten dunklen Stunden vor der Morgendämmerung hinaus, irgendwohin fern von den Lichtern der Stadt, und zieh dich warm an. In SkyFlux zeigt dir die Ansicht Meteorströme Höhe und Richtung des Radianten an deinem Standort, die Liste Gute Beobachtungsplätze sagt dir, wie weit du hinausfahren musst, und das Himmelstagebuch notiert für dich Datum, Ort und Zustand des Himmels, wenn du etwas siehst.
Quellen und Lizenzen
- Maximum, ZHR, Geschwindigkeit und Radiant — IMO 2026 Meteor Shower Calendar (IMO INFO(3-25), Hrsg. J. Rendtel), Leoniden und Tabelle 5 · web.archive.org/web/20260308033848/https://www.imo.net/files/meteor-shower/cal2026.pdf, archivierte Kopie (Wayback Machine, 08.03.2026) · abgerufen am 16.10.2026
- Vorhersagen der Staubspuren für 2026 und die Jahre danach — M. Maslov, Leonids 2026; Leonids 2021–2030; Leonids 1901–2100 summary · feraj.ru · abgerufen am 09.10.2026
- Bahn des Kometen, Mond und Sonne — NASA/JPL-Caltech, Horizons: 55P/Tempel-Tuttle, Bahnlösung JPL#J985/69; Mondaufgang und -untergang für 59,44° N, 24,75° O · abgerufen am 09.10.2026
- Uhrzeiten, Höhen des Radianten und erwartete Raten — Berechnet mit astronomy-engine 2.1.19 (MIT) für einen Beobachtungsort bei 59,44° N / 24,75° O · SkyFlux
- Geschichte der Stürme — NASA Ames, Leonid MAC history (P. Jenniskens), archivierte Kopie · NASA Science, Leonids · Linda Hall Library, Denison Olmsted · Asher 1999, MNRAS 307, 919 · Asher, Bailey & Emel’yanenko 1999, MNRAS 304, L53
- 1966 auf dem Kitt Peak — McLean 1967, Communications of the Lunar and Planetary Laboratory Nr. 82 · Brown, Šimek & Jones 1997, A&A 322, 687
- 1998 und 1999 — NASA/STScI 1998, „Leonid Meteor Storm Won’t Deter Hubble“ · Brown et al. 2002, PSS 50, 45 · Ortiz et al. 2000, Nature 405, 921
- 2001 und 2002 — Australian Bureau of Meteorology, Space Weather Services · IMO, Leonids 2002 (archivierte Kopie)
- Künftige Stürme — S. Abe 2026, arXiv 2608.25456 (Preprint, nicht begutachtet) · M. Maslov, Leonids 1901–2100 · IMO-Kalender 2027
