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Venus im größten Glanz: warum der Morgenstern als Sichel am hellsten ist

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Links: fünf Venusscheiben im selben Maßstab, von einer großen, fast unbeleuchteten Scheibe am 25. Oktober 2026 bis zu einer kleinen, voll beleuchteten Scheibe am 9. August 2027; hervorgehoben ist der 27. November, nahe dem größten Glanz. Rechts: der Himmel über Berlin zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung am 27. November, mit Venus und Spica nebeneinander im Südosten und Merkur tiefer, näher am Horizont.
Phase und scheinbare Größe der Venus zu fünf Zeitpunkten, alle Scheiben im selben Maßstab und zum Vergleich von links beleuchtet: Am 27. November, nahe dem größten Glanz, ist die 42″ große Scheibe zu 24 % beleuchtet. Rechts: der Himmel über Berlin (52,5° N) zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung am 27. November, 06:04 UTC. Daten: JPL Horizons, SIMBAD.SkyFlux · JPL Horizons · SIMBAD (CDS)

Ende November erreicht die Venus als Morgenstern ihren größten Glanz und leuchtet mit der Größenklasse −4,9 (je kleiner der Wert auf dieser Skala, desto heller das Objekt). Nur ein Viertel ihrer Scheibe ist dann beleuchtet, und doch ist die Venus heller, als sie es mit voll beleuchteter Scheibe je ist. In einem ruhig gehaltenen Fernglas ist die Sichel zu erkennen.

Warum die Venus als Sichel am hellsten ist

Die Venus umrundet die Sonne innerhalb der Erdbahn, deshalb ändern sich ihre Phase und ihr Abstand zu uns gemeinsam. Steht die Venus hinter der Sonne, zeigt sie uns ihre voll beleuchtete Scheibe, ist dann aber rund 259 Millionen km entfernt und erscheint nur 9,6 Bogensekunden groß (eine Bogensekunde ist 1/3600 Grad). Ende Oktober zieht die Venus zwischen Erde und Sonne hindurch (untere Konjunktion). Der Planet ist dann 41 Millionen km entfernt und erscheint 61 Bogensekunden groß, wendet uns aber seine Nachtseite zu: Weniger als 1 % der Scheibe ist beleuchtet.

Dazwischen hängt die Helligkeit von zweierlei ab: davon, wie viel von der Scheibe beleuchtet ist, und davon, wie nah der Planet ist. Am 27. November ist die Venus 60 Millionen km entfernt, erscheint 41,7 Bogensekunden groß und ist zu 24 % beleuchtet. Die beleuchtete Sichel hat dann etwa die 4,6-fache scheinbare Fläche der vollen Scheibe, die wir jenseits der Sonne sehen. Trotzdem ist die Venus nur etwa 2,5-mal so hell wie jenseits der Sonne (Größenklasse −4,9 gegenüber −3,9), denn bei der Sichel fällt das Sonnenlicht schräg auf die sichtbare Wolkendecke, sodass jede einzelne Stelle dunkler wirkt. Die größere beleuchtete Fläche wiegt diese Abschwächung mehr als auf.

Das Helligkeitsmaximum ist sehr flach. Nach JPL Horizons liegt es zwischen dem 24. und dem 26. November; die Programmbibliothek Astronomy Engine, die hinter dem SkyFlux-Kalender steht, verwendet eine andere Formel für die Helligkeit und kommt auf den 27. November, 01:47 UTC. Vom 22. bis zum 30. November ändert sich die Helligkeit in beiden Modellen um weniger als 0,02 Größenklassen — zu wenig, als dass das Auge den Unterschied bemerken könnte.

Wohin du schauen solltest

Schau in der Stunde vor Sonnenaufgang nach Osten bis Südosten. Am Morgen des 27. November (Ortszeit), zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung, wenn die Sonne 6° unter dem Horizont steht, findest du die Venus hier:

  • 59,4° N (Tallinn, Stockholm): 18° hoch im Südsüdosten; die bürgerliche Morgendämmerung beginnt 57 Minuten vor Sonnenaufgang.
  • 52,5° N (Berlin): 22° hoch im Südosten; die bürgerliche Morgendämmerung beginnt 44 Minuten vor Sonnenaufgang, in Berlin um 06:04 UTC (07:04 Uhr MEZ).
  • 40° N (Madrid, New York): 27° hoch im Südosten; die bürgerliche Morgendämmerung beginnt 33 Minuten vor Sonnenaufgang.

Auch von der Südhalbkugel aus ist die Venus gut zu sehen: In Sydney (33,9° S) steht sie 17° hoch, genau im Osten.

In nördlichen Breiten steht Spica, der hellste Stern im Sternbild Jungfrau, am 27. November etwa 3,5° rechts der Venus und etwas tiefer; Merkur findest du rund 20° links unterhalb der Venus, tief über dem Horizont. Von Sydney aus erscheint Spica über der Venus, Merkur rechts unterhalb von ihr. Wie du Merkur mithilfe der Venus vor Sonnenaufgang findest, erklärt unser Beitrag über Merkur am Morgenhimmel.

Wo die Venus von deinem Standort aus zu sehen ist, zeigt dir die Himmelskarte in SkyFlux.

Die Sichel im Fernglas

Mit 41,7 Bogensekunden ist die Sichel so klein, dass die meisten Menschen ihre Form mit bloßem Auge nicht erkennen. In einem Fernglas mit 8- oder 10-facher Vergrößerung erscheint sie etwa ein Fünftel so breit wie der Mond mit bloßem Auge. Im Februar 2025 schrieb Bob King in Sky & Telescope, dass sich die Form der Venus, damals zu 32 % beleuchtet und 35,8 Bogensekunden groß, im 8×42-Fernglas mühelos erkennen ließ. Die Sichel in diesem November ist größer, wenn auch schmaler.

  • Stütz das Fernglas an einer Wand oder einem Pfosten ab: Ein wackelndes Bild verwischt die Form der Sichel.
  • Versuch es eher in der Dämmerung als bei völliger Dunkelheit: Vor einem heller werdenden Himmel blendet die Venus weniger.
  • Die beleuchtete Seite ist der Sonne zugewandt, die noch unter dem Horizont steht: In nördlichen Breiten wölbt sich die Sichel nach links unten, auf der Südhalbkugel nach rechts unten.

Leg das Fernglas rechtzeitig vor Sonnenaufgang weg. Die Sonne geht in derselben Himmelsgegend auf, und schon ein kurzer Blick durch das Fernglas in die Sonne kann deine Augen dauerhaft schädigen.

Nach Angaben der California Academy of Sciences ist die Venus so hell, dass erfahrene Beobachter sie sogar am Taghimmel finden können, wenn sie genau wissen, wohin sie schauen müssen. Willst du es gefahrlos versuchen, stell dich so, dass ein Gebäude die aufgehende Sonne verdeckt, und behalte die Venus mit bloßem Auge im Blick, während es Tag wird.

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