PLANETEN
BepiColombo soll am 21. November in die Umlaufbahn um den Merkur einschwenken
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Die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo soll nach dem Plan der ESA am 21. November in eine Umlaufbahn um den Merkur einschwenken; eine Uhrzeit wurde nicht genannt. Die Reise begann im Oktober 2018 und erforderte neun Vorbeiflüge an Planeten. Das liegt nicht an der Entfernung zum Merkur: Eine Sonde, die zur Sonne hin fällt, kommt viel zu schnell an, um von ihm eingefangen zu werden.
Was am 21. November und danach geschieht
BepiColombo besteht derzeit aus zwei Raumsonden, die gemeinsam fliegen: dem Mercury Planetary Orbiter (MPO) der ESA und dem Mercury Magnetospheric Orbiter der JAXA, genannt Mio. Ein drittes Modul, das Mercury Transfer Module, trug die beiden und trieb sie bis Mitte Juni mit seinen Ionentriebwerken an. Am 3. September wurde es abgetrennt; seitdem steuern die Triebwerke des MPO das Gespann.
Am 21. November sollen die beiden noch verbundenen Sonden in eine polare Umlaufbahn einschwenken, die über beide Pole des Planeten führt. Da sich der Merkur unter dieser Bahn dreht, kommt nach und nach seine gesamte Oberfläche in Sicht. Danach sieht der Ablauf laut ESA so aus:
- 9.–10. Dezember: Der MPO setzt Mio in einer eigenen Umlaufbahn aus.
- 16. Dezember: Der MPO wirft den Sonnenschild ab, der Mio bisher geschützt hat, und beginnt den Abstieg in die eigene Umlaufbahn.
- 10. März 2027: Der MPO erreicht seine endgültige Umlaufbahn.
- April 2027: Der wissenschaftliche Betrieb beginnt.
Wie sicher ist der Termin? In ihrer Meldung vom 6. Oktober 2026 nennt die ESA weiterhin den 21. November, ihr Zeitplan vermerkt aber, dass sich die genauen Termine aus betrieblichen Gründen ändern können. Das ist schon einmal passiert: Im April 2024 verhinderte ein Fehler in der Stromversorgung, dass die Ionentriebwerke ihren vollen Schub erreichten, und das für Dezember 2025 geplante Einschwenken musste auf November 2026 verschoben werden. Manche Seiten der ESA nennen Dezember 2026 als Ankunftstermin; offenbar gilt dort die Trennung der beiden Orbiter am 9.–10. Dezember als Ankunft.
Zwei Orbiter, zwei Aufgaben
Der MPO wird den Merkur in 480 bis 1.500 km Höhe umkreisen, einmal alle 2,3 Stunden. Die meisten seiner elf Instrumente untersuchen den Planeten selbst: Ein Laseraltimeter vermisst die Höhenunterschiede der Oberfläche, Röntgen- und Gammaspektrometer bestimmen, woraus die Oberfläche besteht, und aus der Funkverbindung zur Erde lässt sich das Schwerefeld kartieren. Daraus wiederum ergeben sich Größe und Zustand des Kerns.
Mio folgt einer langgestreckten Bahn in 590 bis 11.640 km Höhe und umrundet den Planeten alle 9,3 Stunden. Die fünf Instrumente der Sonde messen das Magnetfeld des Merkur, die darin gefangenen geladenen Teilchen, die dünne Exosphäre des Planeten einschließlich ihres Natriums und den Staub entlang der Merkurbahn.
Zu den Fragen der ESA gehört, warum ein so kleiner Planet noch ein Magnetfeld hat, warum es in Kratern nahe den Polen einer so sonnennahen Welt Eis gibt und wie die Senken entstanden sind, die man Hollows nennt. BepiColombo wird nach der NASA-Sonde MESSENGER (2011–2015) die zweite Mission in einer Umlaufbahn um den Merkur sein und die erste mit zwei Orbitern.
Warum die Reise acht Jahre dauerte
Der Merkur ist nie weiter als etwa 220 Millionen km von der Erde entfernt, und doch hat BepiColombo bis dorthin 9,9 Milliarden km zurückgelegt. Das Problem ist nicht die Entfernung, sondern die Geschwindigkeit. Eine Sonde, die zur Sonne hin fällt, wird auf dem ganzen Weg schneller: Flöge sie ohne Antrieb auf der sparsamsten Bahn von der Erdbahn aus zur Sonne hin, käme sie in der Entfernung des Merkur mit etwa 57 km/s an, rund 10 km/s schneller, als sich der Planet dort selbst bewegt. Die Anziehungskraft des Merkur ist schwach (seine Fluchtgeschwindigkeit beträgt 4,3 km/s). Um eingefangen zu werden, muss eine Sonde deshalb fast genauso schnell und in dieselbe Richtung fliegen wie der Planet selbst.
So brauchte BepiColombo acht Jahre, um die überschüssige Geschwindigkeit abzubauen. Die Ionentriebwerke arbeiteten jeweils wochenlang mit geringem Schub, und neun Vorbeiflüge änderten Tempo und Richtung: an der Erde (April 2020), zweimal an der Venus (Oktober 2020 und August 2021) und sechsmal am Merkur (Oktober 2021 bis Januar 2025). Mit jedem Vorbeiflug glich sich die Bahn der Sonde um die Sonne der Merkurbahn weiter an. Nun sind sich beide Bahnen so ähnlich, dass der Planet BepiColombo einfangen kann.
In derselben Woche: Merkur am Morgenhimmel
Am späten Abend des 20. November (UTC) erreicht der Merkur außerdem seinen größten Winkelabstand westlich der Sonne. In mittleren nördlichen Breiten sind die Morgenstunden rund um das Einschwenken deshalb eine gute Gelegenheit, den Planeten zu sehen: In Berlin steht er zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung, wenn die Sonne 6° unter dem Horizont ist, etwa 10° hoch im Südosten. Wohin du schauen musst, zeigt unser Beitrag „Merkur am Morgenhimmel: Mit der Venus findest du ihn vor Sonnenaufgang“. Bei etwa 34° südlicher Breite (Sydney oder Kapstadt) steht Merkur zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung nur etwa 4° hoch und ist schwer zu finden.
Die Sonde selbst ist nicht zu sehen. Ein etwa zehn Meter großes Raumfahrzeug in 150 Millionen km Entfernung, das am Himmel nur rund 20° neben der Sonne steht, liegt weit jenseits der Reichweite jedes Teleskops.
Quellen und Lizenzen
- ESA, Latest updates: BepiColombo's arrival at Mercury (6. Oktober 2026) — Einschwenken in die Umlaufbahn am 21. November 2026, Trennung von Mio am 9.–10. Dezember, wissenschaftliche Phase ab April 2027, die erste Bahnkorrektur am 24. September (11,4 m/s), erste Testmessungen der Instrumente. https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/BepiColombo/Latest_updates_BepiColombo_s_arrival_at_Mercury
- ESA, BepiColombo arrival at Mercury timeline (aktualisiert im Juli 2026) — Ablauf der Ankunft mit Terminen (3. September, 21. November, 9.–10. Dezember, 16. Dezember 2026; 10. März und 6. April 2027), polare Umlaufbahn und der Hinweis, dass sich genaue Termine aus betrieblichen Gründen ändern können. https://www.esa.int/ESA_Multimedia/Images/2018/10/BepiColombo_arrival_at_Mercury_timeline
- ESA, BepiColombo begins Mercury arrival with MTM separation success (7. September 2026) — 9,9 Milliarden km zurückgelegte Strecke, neun Vorbeiflüge, Abschalten der Ionentriebwerke am 15. Juni 2026, die beiden 15 Meter langen Solarflügel des Transfermoduls, zwei Orbiter in der Umlaufbahn um den Merkur im Dezember 2026. https://www.esa.int/Enabling_Support/Operations/BepiColombo_begins_Mercury_arrival_with_MTM_separation_success
- ESA, BepiColombo-Datenblatt und Missionsseite — Termine aller neun Vorbeiflüge, die Meilensteine 2026–2027, frühere Merkurmissionen, die wissenschaftlichen Fragen (Magnetfeld, Eis an den Polen, Hollows). https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/BepiColombo/BepiColombo_factsheet und https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/BepiColombo
- ESA, Seiten zum Mercury Planetary Orbiter und zum Mercury Magnetospheric Orbiter (Mio) — Bahnen (480 × 1.500 km, 2,3 Stunden; 590 × 11.640 km, 9,3 Stunden), Abmessungen des MPO (Körper 2,4 × 2,2 × 1,7 m, Solarflügel 7,5 m), Rotation von Mio, die Instrumente beider Orbiter. https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/BepiColombo/Mercury_Planetary_Orbiter und https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/BepiColombo/Mercury_Magnetospheric_Orbiter_Mio
- ESA, Fourth Mercury flyby begins BepiColombo's new trajectory (2. September 2024) — Der Fehler vom April 2024, der den Schub verringerte, das dadurch unmöglich gewordene Einschwenken im Dezember 2025, die neue Ankunft im November 2026 und warum zum Abbremsen Swing-by-Manöver nötig sind. https://www.esa.int/Science_Exploration/Space_Science/BepiColombo/Fourth_Mercury_flyby_begins_BepiColombo_s_new_trajectory
- NASA NSSDC Mercury Fact Sheet — Mittlere Bahngeschwindigkeiten von Merkur (47,36 km/s) und Erde (29,78 km/s), Fluchtgeschwindigkeit des Merkur (4,3 km/s), Radius, große Halbachse und Aphel des Merkur, große Halbachse und Aphel der Erde, https://nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/factsheet/mercuryfact.html ; GM der Sonne (132.712 × 10⁶ km³/s²) von https://nssdc.gsfc.nasa.gov/planetary/factsheet/sunfact.html . Die Ankunftsgeschwindigkeit auf der sparsamsten Transferbahn (Hohmann-Bahn) von der Erdbahn aus, 57,5 km/s gegenüber 47,9 km/s auf einer Kreisbahn im mittleren Sonnenabstand des Merkur, ist unsere Berechnung.
- JPL Horizons (NASA/JPL) — Abstand zwischen Erde und Merkur am 21. November 2026, Winkelabstand des Merkur von der Sonne sowie seine Höhe zu Beginn der bürgerlichen Morgendämmerung in Berlin, Sydney und Kapstadt, berechnet am 17. und 20. Oktober 2026. https://ssd.jpl.nasa.gov/horizons/



