PLANETEN
MMX-Mission zu den Marsmonden: Was die NASA beiträgt, wenn Japan Material von Phobos zur Erde holt
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Dieser Beitrag wurde vor dem Ereignis geschrieben: Die Zeiten und Erwartungen darin sind eine Vorhersage, kein Ergebnis.

Die japanische Raumsonde MMX (Martian Moons eXploration) soll 2031 mindestens 10 Gramm Material vom Marsmond Phobos zur Erde bringen. Der Start von Tanegashima war für den 19. Oktober 2026 um 19:41 UTC angesetzt, Ersatztermine reichen bis zum 7. November japanischer Zeit. Die NASA steuert ein Messinstrument und einen Probennehmer bei und unterstützt die Mission mit ihrem Deep Space Network.
Was die NASA beisteuert
MMX ist eine Mission der japanischen Raumfahrtagentur JAXA, die NASA ist als Partner beteiligt. Der wichtigste Beitrag der NASA an Bord ist MEGANE, ein Gammastrahlen- und Neutronenspektrometer. Kosmische Strahlung trifft ständig auf Phobos, und die Oberfläche gibt daraufhin Gammastrahlung und Neutronen ab, deren Energie davon abhängt, welche Elemente vorhanden sind. Wer sie aus der Umlaufbahn misst, erfährt also, woraus die Oberfläche besteht.
Außerdem hat die NASA den P-Sampler geliefert, einen Technologiedemonstrator an einem der Landebeine: Er bläst mit kurzen Druckstößen aus Stickstoff Oberflächenmaterial in einen Behälter. Der C-Sampler der JAXA holt Kernproben aus einigen Zentimetern Tiefe. Das Deep Space Network hilft bei Kommunikation und Navigation, und rund 15 % der zurückgebrachten Probe werden im Johnson Space Center der NASA in Houston aufbewahrt und betreut.
Eingefangene Asteroiden oder Trümmer eines Einschlags?
Phobos misst etwa 27 × 22 × 18 km, kreist rund 6.000 km über der Marsoberfläche und umrundet den Planeten dreimal am Tag. Deimos, etwa 15 × 12 × 11 km groß, braucht für einen Umlauf um den Mars 30 Stunden. Beide Monde sind dunkel und werfen das Licht ähnlich zurück wie kohlenstoffreiche Asteroiden. Diese Ähnlichkeit spricht dafür, dass der Mars sie eingefangen hat, auch wenn die NASA darauf hinweist, dass einige Befunde dagegen sprechen.
Die andere Erklärung ist ein gewaltiger Einschlag: Ein großer Körper traf den Mars und schleuderte Material in eine Umlaufbahn, wo es sich zu den Monden zusammenballte. Die JAXA spricht von zwei konkurrierenden Theorien. Einen dritten Vorschlag veröffentlichten 2024 Forscher der NASA und der Durham University: Die Schwerkraft des Mars habe einen vorbeiziehenden Asteroiden zerrissen, dessen Bruchstücke zusammenstießen und sich gegenseitig zermahlten, bis eine Scheibe entstand, aus der sich die Monde bildeten.
Kohlenstoffreiche Asteroiden können Wasser und jene Stoffe enthalten, aus denen Atmosphären entstehen. Eingefangene Monde wären also Proben jenes Materials, das womöglich Wasser zu den inneren Planeten und damit auch zur Erde gebracht hat. Monde aus den Trümmern eines Einschlags würden dagegen ein Stück des frühen Mars bewahren.
Was zehn Gramm Phobos verraten können
Die Elementkarte, die MEGANE von Phobos erstellt, hilft bei der Wahl des Landeplatzes. Im Labor lassen sich Chemie und Mineralogie einzelner Körnchen untersuchen. An der Zusammensetzung entscheidet sich, ob Phobos ein eingefangener Asteroid ist oder ein Mond, der bei einem Einschlag entstand.
Nach Schätzung der JAXA hat Phobos, weil er so nah am Mars kreist, mehr als hundertmal so viel von der Marsoberfläche herausgeschleudertes Material aufgesammelt wie Deimos. Die Probe könnte deshalb auch kleine Stücke vom Mars enthalten, die lange nach der Entstehung des Mondes dorthin gelangten — ganz gleich, auf welchem Weg Phobos entstanden ist.
Zeitplan der Mission — und wie du die Monde selbst sehen kannst
- 19. Oktober 2026, 19:41 UTC (geplant): Start mit der H3-Rakete (Flug Nr. 10); Ersatztermine bis zum 7. November japanischer Zeit.
- August 2027: Ankunft am Mars, danach eine enge Umlaufbahn um Phobos, um den Mond zu kartieren und Landeplätze auszuwählen.
- Frühestens Dezember 2028: Probenentnahme. Zuerst landet ein kleiner Rover, dann die Hauptsonde.
- 2030: Vorbeiflug an Deimos, um diesen Mond zu beobachten, dann Abflug vom Mars und eine etwa einjährige Rückreise.
- 2031: Eine Kapsel mit der Probe tritt in die Erdatmosphäre ein und wird in Australien geborgen.
Bei der nächsten Opposition in der zweiten Februarhälfte 2027 steht der Mars mit Größenklasse −1,3 im Löwen; Phobos erreicht Größenklasse 12,1, Deimos 13,2. Phobos entfernt sich dann nie mehr als etwa 19 Bogensekunden vom Mittelpunkt des Planeten, Deimos höchstens etwa 48 Bogensekunden. Ohne Teleskop siehst du nur den Mars: Mit Größenklasse 12 bis 13 liegen die Monde weit außerhalb der Reichweite des bloßen Auges und jedes Fernglases. Hinderlich ist weniger die geringe Helligkeit der Monde als das grelle Licht des Planeten, der mehr als 13 Größenklassen heller ist: Um sie zu sehen, braucht es hohe Vergrößerung, ruhige Luft und am besten eine Möglichkeit, den Planeten abzudecken. Der Mars steht etwa 15° nördlich des Himmelsäquators und ist damit auf der Nord- wie auf der Südhalbkugel gut zu beobachten.
Quellen und Lizenzen
- NASA Science, „NASA to Help Unlock Mysteries of Mars’ Moons in Upcoming Mission“ (15. Oktober 2026) — Startzeit (19:41 UTC am 19. Oktober), Beiträge der NASA (MEGANE, P-Sampler, Deep Space Network, US-Wissenschaftsteam), rund 15 % der Probe im Johnson Space Center, Entnahmetiefe des C-Samplers, Zitat zu Einschlag oder Einfang, Wasser und organische Stoffe, Ankunft August 2027, Probenentnahme frühestens Dezember 2028, Rückkehr 2031, MEGANE gebaut vom Applied Physics Laboratory der Johns Hopkins University. https://science.nasa.gov/directorates/smd/planetary-science-division/nasa-to-help-unlock-mysteries-of-mars-moons-in-upcoming-mission/
- JAXA-Pressemitteilung zum Starttermin von MMX mit H3 F10 (20. August 2026) — Startzeit 19:41:03 UTC am 19. Oktober 2026 (von der JAXA in japanischer Zeit angegeben), Ersatzzeitraum 21. Oktober bis 7. November 2026 (Daten nach japanischer Zeit), Startkomplex Yoshinobu, Tanegashima. https://global.jaxa.jp/press/2026/08/20260820-1_e.html
- MMX-Projektseite der JAXA (Startseite, Seiten „Mission“ und „Science“) — Mindestens 10 g von Phobos, zwei Landungen (zuerst der Rover), Quasi-Satelliten-Umlaufbahn, Vorbeiflug an Deimos, Abflug 2030, Rückkehr 2031 mit Bergung in Australien, Phobos etwa 6.000 km über dem Mars, Reflexionsverhalten wie bei kohlenstoffreichen Asteroiden, Einschlag und Einfang als zwei konkurrierende Theorien, Gammastrahlung und Neutronen für MEGANE aus kosmischer Strahlung und natürlicher Radioaktivität, mehr als hundertmal so viel Marsmaterial wie auf Deimos. https://www.mmx.jaxa.jp/en/ · https://www.mmx.jaxa.jp/en/mission/ · https://www.mmx.jaxa.jp/en/science/
- NASA Science, Seiten zu Phobos, Deimos und der MMX-Mission — Größe von Phobos (27 × 22 × 18 km) und Deimos (15 × 12 × 11 km), drei Umläufe pro Tag, Umlaufzeit von Deimos 30 Stunden, Zusammensetzung wie bei C-Asteroiden, Befunde, die gegen den Einfang sprechen, Messprinzip von MEGANE. https://science.nasa.gov/mars/moons/phobos/ · https://science.nasa.gov/mars/moons/deimos/ · https://science.nasa.gov/mission/mmx/
- Durham University, Meldung „Supercomputer simulations offer new explanation for the formation of Mars’ moons“ (20. November 2024) — Hypothese des zerrissenen Asteroiden von Forschern des NASA Ames Research Center und der Durham University, veröffentlicht in Icarus; die Zusammensetzung als Test zwischen Asteroiden- und Einschlagsursprung. https://dur.ac.uk/news-events/latest-news/2024/11/supercomputer-simulations-offer-new-explanation-for-the-formation-of-mars-moons-/
- JPL Horizons (abgefragt am 17. Oktober 2026) — Helligkeiten von Mars, Phobos und Deimos und die Position des Mars um die Opposition im Februar 2027; Bahngrößen von Phobos und Deimos, daraus berechnet ihr größter Abstand vom Mars am Himmel. https://ssd.jpl.nasa.gov/horizons/



