METEORE
Die Draconiden erreichen in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober 2026 ihr Maximum — in nördlichen Breiten steht der Radiant am Abend am höchsten, doch das Maximum richtet sich nicht danach
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Dieser Beitrag wurde vor dem Ereignis geschrieben: Die Zeiten und Erwartungen darin sind eine Vorhersage, kein Ergebnis.

Am 9. Oktober 2026 gegen 01:20 UTC kreuzt die Erde den Staubstrom des Kometen 21P/Giacobini-Zinner — in Europa, Afrika und Amerika ist das die Nacht vom 8. auf den 9. Oktober. Bei den meisten Meteorströmen sieht man gegen Morgen mehr Meteore, und dafür gibt es einen guten Grund. Bei den Draconiden ist es umgekehrt, und der Grund dafür ist nicht der, den die meisten Ratgeber nennen. In diesem Text findest du den berechneten Höhenverlauf des Radianten, der belegt, dass es bei diesem Strom wirklich umgekehrt ist; eine Erklärung, die auch zeigt, warum die Perseiden und die Geminiden gegen Morgen zunehmen; einen Blick auf den Kometen, durch dessen Staubstrom die Erde zieht — und eine nüchterne Einschätzung für 2026: eine ZHR von etwa fünf, kein Spektakel. Außerdem erfährst du hier, was die meisten Ratgeber weglassen: In nördlichen Breiten steht der Radiant am Abend am höchsten, doch das Maximum des Stroms fällt überall auf denselben UTC-Zeitpunkt — welche Stunde deiner Nacht die beste ist, hängt also davon ab, wo du bist: vor allem von deiner geografischen Länge, aber auch von deiner Breite.
Wann: in der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober — und warte, bis es ganz dunkel ist
Die Draconiden erreichen ihr Maximum am 9. Oktober 2026 gegen 01:20 UTC — „gegen“, weil die Modelle den Zeitpunkt des Maximums auf eine halbe Stunde genau vorhersagen, nicht auf die Minute. Deine Uhr zeigt diesen Moment in deiner eigenen Zeitzone, und in weiten Teilen der Welt fällt er in die Nacht vom 8. auf den 9. Oktober. Deshalb nennt dieser Text zwei Daten: Das Ereignis ist ein einziger Moment, kann aber auf zwei verschiedene Kalendertage fallen. Falls dir Datum und Uhrzeit also irgendwann widersprüchlich vorkommen: Hier liegt der Grund.
Das Maximum ist keine kurze, scharfe Spitze, und das ist eine gute Nachricht. Nach dem Aktivitätsprofil, das die App für diesen Strom verwendet, sinkt die Rate etwa drei Stunden vor und nach dem Maximum auf die Hälfte — insgesamt also rund sechs Stunden mit mindestens halber Stärke. Beobachtete Ausbrüche waren deutlich kürzer — zwei bis fünf Stunden von Anfang bis Ende —, dauerten aber immer noch Stunden, nicht Minuten. Du musst den Zeitpunkt also nicht auf die Minute genau treffen. Du musst die richtige Nacht wählen.
Und ein Detail entscheidet über den ganzen Abend: Geh hinaus, wenn der Himmel richtig dunkel ist, nicht wenn die Sonne untergeht. Zwischen diesen beiden Momenten können anderthalb bis über zwei Stunden liegen, und am Ende dieser Zeit steht der Radiant so hoch, wie er in der restlichen Nacht nicht mehr stehen wird. Doch die Höhe des Radianten ist nur die eine Hälfte der Rechnung. Die andere Hälfte ist die Aktivitätskurve des Stroms selbst, und die richtet sich nach der Weltzeit: Das Maximum liegt bei 01:20 UTC, ganz gleich, wo du gerade stehst. Aus beidem zusammen folgt: Die beste Stunde wandert mit deiner geografischen Länge. Bei etwa 88° westlicher Länge fällt das Maximum genau auf den Einbruch der Dunkelheit, und dort ist die erste dunkle Stunde wirklich die beste. In Europa fällt es dagegen gegen Ende der Nacht: Für einen Leser auf 59° nördlicher Breite und 25° östlicher Länge liegt das Maximum etwa um 03:00 Uhr örtlicher Sonnenzeit, und in der letzten Stunde der Nacht sind mehr als doppelt so viele Meteore zu sehen wie in der ersten.
| Geografische Breite des Beobachters | Vom Sonnenuntergang bis zur vollen Dunkelheit |
|---|---|
| 59° N | 2 h 15 min |
| 51° N | 1 h 50 min |
| 41° N | 1 h 31 min |
Eine Tabelle wie diese hat nur Platz für drei Zeilen. Deinen eigenen Sonnenuntergang, deine eigene Dämmerung und die Höhe des Radianten über deinem Horizont berechnet die App aus deinen Koordinaten — und zwar für jeden Abend, nicht nur für diesen.
Warum die meisten Ströme gegen Morgen mehr Meteore zeigen
Die Erde bewegt sich in einer bestimmten Richtung auf ihrer Bahn, und von etwa Mitternacht bis Mittag stehst du auf der führenden Seite des Planeten — der Seite, die voran in den Staub hineinfährt. Der dunkle Teil dieser Spanne reicht von Mitternacht bis zur Morgendämmerung. Am Abend bist du auf der hinteren Seite, und der Staub muss dich erst einholen. Ein Auto im Regen erlebt genau dasselbe: Die Windschutzscheibe sammelt die Tropfen, die Heckscheibe kaum welche.
Das ist der Apex-Effekt; der Apex ist der Punkt am Himmel, auf den die Erde gerade zusteuert, und der Morgenhimmel ist ihm zugewandt. Der Effekt ist real und messbar, und deshalb sind bei den meisten Strömen in einer Stunde gegen Morgen mehr Meteore zu sehen als in einer Stunde am Abend.
Eines sagt das nicht: wann du hinschauen darfst. Du kannst in jeder dunklen Stunde hinschauen, genau wie bei allem anderen am Himmel. Es gibt keine Regel — es gibt nur mehr oder weniger Meteore. Und gerade deshalb ist das, was als Nächstes kommt, keine Laune der Natur, sondern eine Ausnahme mit einem Grund: Wenn der Apex-Effekt stimmt, braucht alles, was ihm zuwiderläuft, eine Erklärung.
Bei den Draconiden verläuft der Bogen andersherum — und das lässt sich nachrechnen
Der Radiant ist der Punkt am Himmel, aus dem die Meteore eines Stroms herauszufliegen scheinen. Der Radiant der Draconiden liegt im Kopf des Drachen — daher der Name. Die Höhe des Radianten bestimmt die Menge: Je höher er steht, desto größer ist der Anteil der Meteore des Stroms, die über deinem Horizont aufleuchten, also dort, wo du sie sehen kannst.
Auf 59° nördlicher Breite dauert die astronomische Dunkelheit etwa achteinhalb Stunden. Zu Beginn dieses Zeitfensters steht der Radiant der Draconiden rund 65 Grad hoch, am Ende 25 Grad. Dazwischen steigt er kein einziges Mal wieder an: Es geht nur abwärts — und seinen tiefsten Punkt erreicht der Radiant erst, wenn der Himmel schon zur Morgendämmerung hin heller wird. Die App berechnet dein Zeitfenster aus deinen eigenen Koordinaten.
Das kannst du selbst nachprüfen. In keinem Moment dieser Nacht steht der Radiant höher als im ersten Augenblick der Dunkelheit — „gleich nach Einbruch der Dunkelheit“ ist also weder eine Faustregel von Beobachtern noch Geschmackssache, sondern folgt aus der Form eines berechneten Bogens. Am Ende der Nacht steht der Radiant am tiefsten Punkt einer Kurve, die nur abwärts verlief. Was der Bogen allein nicht verrät, ist die beste Stunde: Er zeigt die Höhe, und die Höhe ist eine der beiden Größen, die bestimmen, was du siehst.

Und der Grund ist nicht der, den man meistens hört
Der Grund ist nicht, dass der Radiant nahe am Himmelspol liegt — das ist die Erklärung, die man am häufigsten hört, und eine einzige Zahl widerlegt sie. Die Deklination des Perseiden-Radianten beträgt fast 58 Grad, er liegt also näher am Pol als der Radiant der Draconiden mit +56 Grad — und die Perseiden sind kurz vor der Morgendämmerung am besten, genau wie es der Apex-Effekt vorhersagt. Gäbe die Nähe zum Pol den Ausschlag, müssten sich beide Ströme gleich verhalten. Das tun sie nicht.
Der wahre Grund ist die Rektaszension. Das ist die Himmelskoordinate, die in Stunden angibt, wie weit östlich des Frühlingspunkts ein Punkt liegt; der Unterschied zwischen der Rektaszension der Sonne und der eines Objekts zeigt, wie weit östlich oder westlich der Sonne dieses Objekt gerade steht. Jeder Punkt am Himmel steht am höchsten, wenn er den Meridian überquert — die Nord-Süd-Linie durch den Zenit —, und das geschieht fast genauso viele Stunden nach dem örtlichen Mittag, wie er östlich der Sonne liegt. Im Maximum beträgt die Rektaszension der Sonne 12,97 Stunden und die des Draconiden-Radianten 17,47 Stunden — ein Unterschied von 4,5 Stunden.
Alles Weitere folgt daraus: Der Radiant kulminiert gegen 16:30 Uhr örtlicher Sonnenzeit, auf jedem Längengrad. Kein Satz in diesem Text gilt so unabhängig vom Standort: Er hängt weder von deiner Zeitzone ab noch davon, wann bei dir die Sonne untergeht. Auf 59° nördlicher Breite steht der Radiant in diesem Moment etwa 87 Grad hoch, während die Sonne noch sechs Grad über dem Horizont steht. Bis der Himmel endlich dunkel wird, hat der Radiant seinen Höchststand längst hinter sich.
| Strom | Lage des Radianten zur Sonne | Kulmination, örtliche Sonnenzeit |
|---|---|---|
| Draconiden, 9. Oktober | 4,5 h östlich | ~16:30 |
| Geminiden, 14. Dezember | 10 h westlich | ~02:00 |
Dieselbe Rechnung, die umgekehrte Antwort — und die Deklination kommt darin kein einziges Mal vor. Die Deklination des Geminiden-Radianten beträgt +33 Grad, dreiundzwanzig Grad weniger als die der Draconiden, und diese Zahl geht überhaupt nicht in die Rechnung ein. So einfach ist die Arbeitsteilung: Die Deklination entscheidet, wie hoch der Radiant auf deiner Breite steigt, und die Rektaszension entscheidet, wann er dort ankommt. Zwei verschiedene Dinge, leicht zu verwechseln — und genau aus dieser Verwechslung stammt die falsche Erklärung.

Warum der Radiant nie untergeht — und für wen dieser Text nicht gilt
Hier geht es um eine zweite, eigenständige Tatsache. Der vorige Teil hat erklärt, warum der Radiant schon am Abend hoch steht. Dieser erklärt, warum er die ganze Nacht in brauchbarer Höhe bleibt — und die Antwort liefert eine einfache Rechnung.
Die Deklination des Radianten beträgt +56 Grad. Ein Objekt geht nie unter, wenn die geografische Breite des Beobachters größer ist als 90 minus seine Deklination — hier also 34 Grad. Nördlich von 34° nördlicher Breite geht der Radiant der Draconiden überhaupt nicht unter: Er sinkt, aber er verschwindet nicht. Nach seiner Kulmination zieht er nach Westen und steht am Ende der dunklen Stunden fast genau im Norden, am unteren Ende seines Bogens — und immer noch über dem Horizont.
Dieselbe Rechnung beantwortet auch die Frage, die Beobachtungsanleitungen meist auslassen: die nach der Südhalbkugel. Südlich von 34° südlicher Breite geht dieser Radiant überhaupt nicht auf. Auf 20° südlicher Breite erreicht er höchstens 14 Grad — tief, durch eine dicke Luftschicht hindurch und nur kurz. Wenn du das auf der Südhalbkugel liest, ist der Strom kaum etwas für dich, und das solltest du lieber vorher wissen als hinterher: Die Draconiden sind ein Ereignis der Nordhalbkugel.

Woher der Staub kommt: ein Komet und seine Spur
Ein Meteorstrom ist nicht „etwas, das am Himmel passiert“. Er geht zurück auf die Staubspur, die ein bestimmter Ursprungskörper hinterlassen hat — meist ein Komet. Die Erde kreuzt diese Spur jedes Jahr zur selben Zeit. Der Ursprungskomet der Draconiden ist 21P/Giacobini-Zinner: ein Eiskörper von etwa zwei Kilometern Durchmesser, der die Sonne alle 6,55 Jahre umrundet und ihr zuletzt am 25. März 2025 am nächsten kam.
Jedes Mal, wenn sich der Komet der Sonne nähert, verdampft Eis von seiner Oberfläche, und Staub wird frei. Der Staub bleibt nicht beim Kometen. Er bleibt auf der Bahn des Kometen, zieht sich entlang dieser Bahn zu einer langen Spur auseinander und wird über Jahrzehnte von der Anziehung der Planeten langsam verschoben. Einem Kometen folgt also nicht eine Spur, sondern ein ganzes Bündel davon — jeder Durchgang durch die Sonnennähe hinterlässt seine eigene.
Alles Weitere erklärt sich aus einer Zahl. Die Bahn des Kometen durchstößt die Ebene der Erdbahn 1,0168 Astronomische Einheiten von der Sonne entfernt; die Erde selbst ist im Moment des Maximums 0,999 Einheiten entfernt. Der Abstand beträgt 2,66 Millionen Kilometer, und die Erde zieht auf der Innenseite der Kometenbahn vorbei. In den meisten Jahren verfehlt die Erde den Staub einfach — und genau deshalb bleiben die Draconiden dann ruhig.

Warum die Draconiden unberechenbar sind
Ausbrüche entstehen nicht, weil der Komet in der Nähe ist. Sie entstehen, wenn die Erde in eine frische Staubspur gerät — eine von vielen Spuren, die der Komet jeweils bei einem einzigen Durchgang durch die Sonnennähe hinterlässt. Die Anziehungskraft der Planeten hat diese eine zufällig in die Erdbahn gelenkt. Die Meteorstürme von 1933 und 1946 gingen beide vor allem auf zwei solche Spuren zurück: auf den Staub, der 1900 freigesetzt wurde, und auf den von 1907. 1933 waren diese Spuren 33 und 26 Jahre alt, 1946 schon 46 und 39 Jahre — und beide Male lagen sie zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
Wie viele Meteore pro Stunde also? Hier ist Vorsicht geboten, denn das ist die Zahl, die anderswo am häufigsten übertrieben wird. Für 1933 reichen die veröffentlichten Schätzungen von 5.400 bis 30.000 Meteoren pro Stunde, und das sind keine Zählungen. Es sind ZHR-Werte, also Angaben der zenitalen stündlichen Rate: wie viele Meteore ein einzelner Beobachter in einer Stunde sähe, wenn der Radiant genau im Zenit stünde und der Himmel vollkommen dunkel wäre. Ein echter Beobachter sieht meist weniger. Die Schätzungen unterscheiden sich um den Faktor fünfeinhalb, und die Astronomin Auriane Egal und ihre Mitautoren bezeichnen sie in ihrer eigenen Arbeit als sehr uneinheitlich — die ehrliche Antwort ist also keine einzelne Zahl, sondern eine Spanne.
1946 gab es ebenfalls einen Sturm: Die Schätzungen aus Beobachtungen liegen zwischen einer ZHR von 2.000 und 10.000, doch den Modellen zufolge war er stärker als der von 1933. Welcher der beiden Stürme stärker war, ist deshalb keine geklärte Frage — und „unbekannt“ ist hier eine ehrliche Antwort, keine Ausrede. 2011 kam ein kleinerer Ausbruch mit einer ZHR von 300 bis 560 — einer von der Art, die man an einem Abend von Anfang bis Ende verfolgen kann und sein Leben lang nicht vergisst.
Deshalb sind bei den Draconiden zwei Dinge wahr, die sich zu widersprechen scheinen: In den meisten Jahren liegt die ZHR bei einigen wenigen Meteoren pro Stunde, in einzelnen Jahren bei mehreren Tausend. Der Strom ist derselbe. Die Spur ist es nicht.
Ist 2026 ein besonderes Jahr? Kein Modell sagt einen Ausbruch voraus — und diese Antwort stützt sich auf berechnete Staubspuren, nicht auf ein Bauchgefühl
Die längere Antwort ist die interessantere, denn sie sagt, woher man das weiß.
Zwei neuere Modellrechnungen sind hier besonders aufschlussreich. 2019 modellierten die Astronomin Auriane Egal und ihre Mitautoren den Strom für den Zeitraum 1850–2030 und sagten drei Ausbrüche voraus, die damals noch bevorstanden: 2019, 2025 und 2029, der stärkste davon 2025, wenn die Erde auf die junge Staubspur von 2012 trifft. Alle drei sollten nur per Radar nachweisbar sein — schwache Meteore, die Radaranlagen erfassen, dem Auge aber meist entgehen. Das Jahr 2026 lag im berechneten Zeitraum, doch die Arbeit nennt es nirgends. Eine Arbeit derselben Gruppe von 2025, die drei unabhängige Modelle an den jüngeren Ausbrüchen kalibrierte, macht Vorhersagen nur für 2025. Doch die Modelle sagen nicht alles voraus, was sie hinterher erklären müssen: Am 8. Oktober 2024 zeigte der Strom einen schwachen Ausbruch, den niemand vorhergesagt hatte — mit einer ZHR von etwa 16 —, und erste Modellrechnungen deuten darauf hin, dass er von Staub stammen könnte, den der Komet 1900 abgegeben hat. Ein Jahr, für das die Modelle nichts vorhersagen, ist damit noch nicht ausgeschlossen.
Und eine naheliegende Erklärung trifft hier nicht zu: dass 2026 ruhig bleibt, weil der Komet weit weg ist. Auriane Egal und ihre Mitautoren sagen ausdrücklich das Gegenteil — Ausbrüche der Draconiden hängen nicht davon ab, wo der Komet gerade im Verhältnis zur Erde steht. Entscheidend ist die Staubspur, nicht der Komet. Und nach allen veröffentlichten Berechnungen kreuzt 2026 keine Spur den Weg der Erde.
Die Folge ist einfach, und sie ist zugleich eine Verpflichtung: Dieser Text verspricht kein Spektakel. Wenn jemand anderes eines verspricht, lohnt sich die Frage, auf welches Modell er sich stützt. Die Draconiden haben schon früher überrascht und können es wieder tun — aber eine Überraschung ist per Definition genau das, was niemand angekündigt hat.
Was das Auge wirklich sieht: eine langsame Leuchtspur, keinen Blitz
Die Draconiden treten mit etwa 20 Kilometern pro Sekunde in die Atmosphäre ein. Für Meteore ist das langsam: Die Perseiden sind mit 59 Kilometern pro Sekunde fast dreimal so schnell.
Der Unterschied ist sichtbar, und er bestimmt, worauf du dich einstellen kannst. Ein typischer schneller Meteor ist ein Blitz — du bemerkst ihn erst, wenn er schon vorbei ist. Ein Draconiden-Meteor gleitet. Er zieht eine ruhige, oft gelbliche Leuchtspur, die merklich länger zu sehen ist als die eines Perseiden-Meteors im Sommer. Es sind weniger, aber jeden, den du entdeckst, kannst du mit dem Auge verfolgen.
Die Geschwindigkeit ergibt sich daraus, wie die Bahn des Kometen die Erdbahn kreuzt. 21P umrundet die Sonne in derselben Richtung wie die Erde, und seine Bahn ist um 32 Grad gegen die Ebene der Erdbahn geneigt — die Begegnung ist also eher ein Überholen als ein Frontalzusammenstoß. Und wegen dieser geringen Geschwindigkeit leuchtet die Spur so lange und so ruhig.
Was diesmal nicht stört: der Mond
Abgesehen von Wolken ist der Mond der schlimmste Feind der meisten Meteorströme: Bei hellem Dreiviertel- oder Vollmond gehen viele der schwächeren Meteore einfach in der Himmelsaufhellung unter. Die Draconiden 2026 bleiben davon verschont, und ein solcher Glücksfall ist so selten, dass er eine eigene Erwähnung verdient.
Neumond ist am 10. Oktober um 15:50 UTC, etwa anderthalb Tage nach dem Maximum. In der Nacht vom 8. auf den 9. Oktober ist der Mond eine abnehmende Sichel, zu drei Prozent beleuchtet. Auf 59° nördlicher Breite geht er vor der Sonne unter und erst nach Beginn der Morgendämmerung wieder auf — die ganze dunkle Zeit über steht er unter dem Horizont. Wenn dir in dieser Nacht etwas entgeht, dann wegen Wolken oder Stadtlicht, nicht wegen des Mondes.
Ehrlich gesagt: was dich erwartet und wie du das Beste daraus machst
Etwa fünf Meteore pro Stunde — und selbst diese Zahl ist eine ZHR, also der Wert für einen perfekten Himmel mit dem Radianten im Zenit. Unter realen Bedingungen und bei der tatsächlichen Höhe des Radianten werden es weniger. Um den Zeitpunkt des Maximums, wenn der Radiant hoch steht, siehst du an einem guten Standort vielleicht ein oder zwei Meteore pro Stunde. Unter Stadtlicht womöglich keinen einzigen.
Das ist kein Spektakel, und du solltest auch niemandem eines versprechen. Es ist stilles Beobachten: Du gehst hinaus, lässt deinen Augen zwanzig Minuten Zeit, sich an die Dunkelheit zu gewöhnen, und wartest. Wenn dann ein Meteor kommt, ist es eine langsame, gelbliche Leuchtspur, die merklich länger dauert, als du erwartet hast — und das Staubkorn, das ihn erzeugt, ist jahrzehntelang entlang der Kometenbahn gewandert, bevor es über deinem Kopf verglüht.
In der Praxis kommt es auf drei Dinge an. Geh hinaus, wenn der Himmel richtig dunkel ist, nicht schon bei Sonnenuntergang. Bis dahin vergehen anderthalb bis zweieinviertel Stunden, und genau in dieser Zeit steht der Radiant am höchsten — doch daran lässt sich nichts ändern: Die Dämmerung verschluckt alle Meteore außer den hellsten. Schau einfach nach oben, nicht auf den Radianten: Ein Meteor kann überall am Himmel aufleuchten, und nahe dem Radianten ist seine Spur am kürzesten, weil er fast direkt auf dich zukommt. Und nimm eine warme Jacke mit: Welche Stunde sich bei dir auch als die beste herausstellt — es ist eine Oktobernacht.
Wenn du die Spur nach hinten verlängerst und sie zum Kopf des Drachen führt, gehörte der Meteor zu den Draconiden. Führt sie woandershin, war es ein sporadischer Meteor — ein Einzelgänger, der zu keinem Strom gehört; davon gibt es jede Nacht einige, ob mit Strom oder ohne. In SkyFlux zeigt dir die Ansicht Meteorströme Höhe und Richtung des Radianten an deinem eigenen Himmel, die Liste Gute Beobachtungsplätze sagt dir, wie weit du aus der Stadt hinausfahren musst, und das Himmelstagebuch notiert für dich Datum, Ort und Zustand des Himmels, wenn du etwas siehst.
Quellen und Lizenzen
- Zeitpunkt des Maximums und Geschwindigkeit — IAU Meteor Data Center, Meteorstrom 00009 DRA (Jenniskens 2023) · ta3.sk/IAUC22DB · abgerufen am 16.09.2026; Radiant: Rektaszension 262,8° / Deklination +55,9° aus demselben Eintrag, abgerufen am 23.09.2026. Der IMO-Kalender der Meteorströme für 2026 nennt als Deklination +56°.
- Bahn des Kometen — NASA/JPL-Caltech, Horizons, 21P/Giacobini-Zinner, Bahnlösung JPL#K253/4 · abgerufen am 16.09.2026
- Ausbrüche und Modelle — Egal et al. 2019, Icarus 330, 123–141 · Egal et al. 2025, MNRAS Letters 544, L102 (CC BY 4.0)
- Bögen, Dämmerung und Mond — Berechnet mit astronomy-engine 2.1.19 (MIT) für einen Beobachtungsort bei 59,0° N / 25,0° O · SkyFlux
- Katalogwerte des Meteorstroms — SkyFlux-Katalog der Meteorströme: ZHR 5 · Steilheit des Aktivitätsprofils B = 2,5 pro Grad Sonnenlänge (größeres B = schmaleres Maximum) · 20 km/s · Perseiden 59 km/s
- Abgleich mit dem IMO-Kalender 2026 — IMO 2026 Meteor Shower Calendar (IMO INFO(3-25), Hrsg. J. Rendtel), Draconiden (009 DRA) · web.archive.org/web/20260308033848/https://www.imo.net/files/meteor-shower/cal2026.pdf, archivierte Kopie (Wayback Machine, 08.03.2026) · abgerufen am 16.10.2026. Der Kalender nennt das Maximum am 9. Oktober gegen 1 Uhr UT, eine ZHR von 5 (als unsicher gekennzeichnet), den Radianten bei Rektaszension 263° / Deklination +56° und eine Geschwindigkeit von 20 km/s; erhöhte Raten sagt er für 2026 nicht voraus — das deckt sich mit diesem Beitrag. Die Steilheit B des Aktivitätsprofils gibt der Kalender nicht an; der oben genannte B-Wert stammt deshalb aus dem SkyFlux-Katalog der Meteorströme und wurde nicht an einer Primärquelle geprüft.
- Vorschaubild in den Neuigkeiten — NASA/Bill Ingalls, gemeinfrei


